
Die Zeit dieser wunderbaren Berliner Modetage ist viel zu schnell vorbei gerast. Das Angebot an sehenswerten Veranstaltungen war riesig und über die ganze Stadt verteilt, so dass Zehnteilung die einzige Lösung gewesen wäre, um dem ganzen Jubeltrubel gerecht zu werden.
Gleich zu Anfang will ich festhalten, dass die Show von Patrick Mohr, meinem Lieblings-Überschocker, mal wieder alle Erwartungen übertroffen hat. Mit dem bombastischen Showeffekt glatzköpfiger und fusselbärtiger Models, in Kombination mit lässiger und einzigartiger Streetwear im Lagenlook ist er mal wieder ganz vorne. Aber er hat ja auch die besten Praktikanten! Rot, weiß und Beigetöne herrschten in dieser Kollektion vor. Die geliebten Dreiecke haben nicht gefehlt und die Accessoires, vor allem die Schuhe haben in mir den berühmt und berüchtigten Haben.Wollen.Trieb ausgelöst.
Das Label Hannibal dagegen setzt gänzlich auf tragbare Classic Standards. Alles schön normal. Anzüge, Trenchcoats und Basics in gedeckten Farben für den modernen Mann ohne Schnick Schnack.
Die ProjektGallerie zeigte erstmals auch Shows. Mit dabei waren Yenikolka mit einem Mood Film im Hintergrund des Laufsteges. Sie zeigten schwarze, sehr sexy drapierte Outfits aus Seide, Leder und Spitze.
Eine Perle am Freitag Abend war die Ellesse by Wood Wood Pool Party im Monbijoubad in Mitte. Das lecker-leichte Essen hat wie auch der erfrischende Sour Flower, einem sehr guten Holundercocktail, super gut zu der perfekten heißen Sommer Nacht gepasst. Ein Glücksrad mit dem man Teile der neuen Kollektion gewinnen konnte, tat sein übriges um den Abend zu einer gelungenen runden Sache zu machen.
Samstag ging‘s noch runder. Eine Show jagte die andere. Leider war Dawid Thomaszewski viel zu schnell vorbei. Pech gehabt, verpasst, määääp! Kilian Kerners Modereise begann mit Paillettenglitzer Looks, Longblazern, Voilantblusen und vielen Etui und Shirtdresses in eleganten Beige, Blau, Schwarz und Silbertönen. Seine Männer trugen Shorts und Shirts, dazu schwarze Glitzersandalen. Es gab schöne Jackenkleider zu sehen, die sogar etwas leicht futuristisches hatten. Alles in allem von sportlich über Büro bis Abendbekleidung, die komplette Bandbreite also für Jedermann.
Gar nicht so für Jedermann und ziemlich schön bunt und typisch Berlin eben, zeigte sich Starstyling mit einer herzerfreulichen Show, die in einer Polonaise endete und dennoch etwas sehr erfrischend Natürliches und Menschliches hatte. Big Shirts bildeten den Ausgangspunkt der Kollektion. Buntbedrucke, handgemalte Grafiken von Achatscheiben inspiriert und mit Farbfolien beklebte Stoffe, Accessoires aus Achatscheiben und viele, viele Fransen schmückten die Models genauso, wie die vielen Taschen und Stoffe Hologramfolie und Tribal Mustern bedruckt. Die Looks beinhalteten viel fransige Jeanselemte und eine Burka ähnliche Maske zum Bedecken und Verstecken.
Der Zusammenschluss von Blaak und Thomas Engel Hart verwirrte ein wenig. Blaak zeigte erst einmal mit Oberteil und dann in der zweiten Runde “topless” die gleichen, hinten an der Wade gerafften, mit Schnallen oder mit Reissverschluss versehenen Hosen, Jeans und Bikerstyles. Jacken mit Cut Outs und kurze achtziger Jahre Sweat Shirts. Thomas Engel Hart hatte ebenfalls Cut Outs im Programm. Dazu gab es schwarze Lackshorts und -Parka, allover-geprinterte Shorts und Shirts mit wild bedruckter weiß, blau und schwarz Kombination und Westen.
Risto dagegen ist ein Poet der Stunde. Blumenblätterdrucke in dezentem blau schmückten schön drapierte Kleider. Weicher, fließender Strick in schönen degradé Mustern in grün gelb und rot und weite, fließende Hosen machten einen luftigen Eindruck. Daneben gab es festere gehäkelte Kleidervarianten, lange Blazer, Seidentops mit Jerseyhosen und weich fallende Seidenklieder für elegante Stunden in denen man dennoch nicht auf Bequemlichkeit verzichten will.
Mit dem Showroom des Green Lab der Kunsthochschule Weissensee konnte man gestern die Modewoche mit einem Statement zu Nachhaltigkeit und Widerverwertung abschließen. Studenten zeigten verschiedene Projekte zu diesem Thema. Manche setzten sich mit Färbetechniken auseinander, andere beschäftigten sich mit neuartigen Verpackungstechniken. Es gab, unter anderem, eine sehr ästhetische und durchdachte Milchpackung aus Pappe, die zu einer Postkarte oder einer Pappkuh zum Spielen weiter verbastelt werden konnte. Ins Auge stach eine wunderschön roh gestaltete Schale aus Wachs und Heu oder Blättern für Käse oder andere Lebensmittel, die neben der Funktion als Stoßdämpfer auch den guten Geruch der Natur mitbrachte. Sehr schön waren auch umhäkelte Kabel, gestrickte Taschen aus gebrauchten Plastiktüten, Büttenpapier aus alten Jeansstücken und textile Flächen, welche aus Hanffasern gestaltet waren.
